Kleinlibellen:
Allgemeines
Kleinlibellen bilden eine Unterordnung in der allgemeinen Familie der Libellen. Es sind die zierlichen und farbenfrohen Bewohner der Uferzonen unserer heimischen Gewässer. Sie unterscheiden sich von den Großlibellen nicht nur deutlich durch ihre Körpermaße. Ein Hauptunterscheidungsmerkmal liegt darin, dass sie ihre Flügel in Ruhestellung seitlich am Hinterleib anlegen, während die Flügel der Großlibellen gespreizt bleiben.
Ihre Augen sind knopfförmig und befinden sich an der Seite des Kopfes. Zur Mitte hin berühren sie sich niemals. Der lange, schlanke Hinterleib weist 10 Segmente auf, die bei Männchen und Weibchen einer jeden Art stark variieren können. Die Färbungen und Musterungen dieser Segmente sind bei allen Arten anders.
Ihr Flug ist im Gegensatz zu den pfeilschnellen Großlibellen wesentlich langsamer und weniger ausdauernd. Er wirkt eher flatterhaft. Gleichsam sind die räuberischen Kleinlibellen durchaus erfolgreiche Jäger, die wie ihre großen Verwandten ihre Beute im Flug fangen.
Alle Kleinlibellen stehen unter strengem Naturschutz und dürfen nicht gefangen werden. Zu Forschungszwecken, wie zum Beispiel der Erfassung der Artenvielfalt ist es lediglich erlaubt, die leeren Larvenhüllen (sogenannte "Exuvien") zu sammeln.
Wir haben uns ganz behutsam mit der Kamera angeschlichen, um sie aus nächster Nähe und aus den verrücktesten Positionen aufzunehmen. Nun möchten wir Euch einige Arten von unseren heimischen Kleinlibellen, den lustigen und listigen Kobolden der Lüfte, vorstellen:
Die Arten auf dieser Seite:
Schlanklibellen:
Frühe Adonislibelle, Späte Adonislibelle, Kleine Pechlibelle, Große Pechlibelle,
Federlibellen:
Blaue Federlibelle
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Nach dem meist mehrere Monate dauerndem Leben als Larve im Wasser leitet der Schlupf, die Metamorphose, das Leben zum Fluginsekt ein. Wie so etwas aussieht zeigt die folgende Collage.
Wir präsentieren die Frühe Adonislibelle beim Start in ihr kurzes und aufregendes Leben.
Die Larve der Frühen Adonislibelle ist dem Wasser entstiegen und klammert sich an einen Grashalm. Bald nach dem Aushärten wird diese nur etwa zwanzig Millimeter lange und 5 Millimeter breite dunkle Hülle aufplatzen und die Libelle kommt zum Vorschein. Langsam aber stetig schiebt sich die kleine Libelle Millimeter für Millimeter aus ihrer Larvenhaut heraus. Dies ist ihr gefährlichster Lebensabschnitt. Völlig hilflos, noch flug- und fluchtunfähig schlüpft sie nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche an der Vegetation hängend, durchaus in Zubeiß-Höhe für Frösche. Doch hier ging noch einmal alles gut. Nachdem das kleine Insekt ausreichend Beingymnastik gemacht und sich von der Funktionstüchtigkeit der sechs Beine überzeugt hat, schwingt es mit einem Ruck nach oben, um den Hinterleib aus der Larvenhülle befreien zu können. Geschafft! Der Körper (Thorax und Abdomen) der Libelle sind aus dem alten Kleid heraus. Nun beginnt die Libelle Hämolymphe (Blutflüssigkeit) in ihre Flügel zu pumpen. Gleichzeitig beginnt der Ausfärbungs- und Härtungsprozess der Außenhaut. Bis die Libelle in die Lüfte abheben und sich somit in Sicherheit bringen kann, vergeht noch eine gute Stunde. Nachdem das Tier nahezu ausgehärtet ist, macht es seinen Jungfernflug, den es meist in die nahegelegenen Bäume führt. Dort findet der Prozess seinen Abschluss.
Anhand der zurückbleibenden Exuvie - der leeren Larvenhülle - ist es Libellenkennern möglich zu bestimmen, welche Art hier geschlüpft ist. Das Bild rechts unten zeigt einen missglückten Schlupf einer Frühen Adonislibelle. Die farbigen Reste des Insektes an der Larvenhaut lassen den Schluss zu, dass die Kleinlibelle während ihrer "Geburt" das Opfer eines Fressfeindes wurde.
Wenig später sieht man die Kleinlibellen als Kurzstreckenflieger wenige Zentimeter über dem Boden dahin gleiten. Da ihr Leben als fertige Libelle meist nur wenige Wochen dauert, sind sie zum Zweck der Nahrungs- und Partnersuche ständig in Bewegung.
Die Frühe Adonislibelle ist eine von zwei rot gefärbten Arten, die in Europa zu Hause ist. Ihr Körper ist etwa 3,5 bis 4 Zentimeter lang. Die Flügelspannweite beträgt ca. 4,5 Zentimeter.
Die folgenden Aufnahmen zeigen Männchen der Frühen Adonislibelle. Erkennungsmerkmale sind der leuchtend rote Hinterleib mit schwarzen Streifen ab dem 7.Hinterleibssegment und die schwarzen Beine. Man kann sie schon, je nach Witterung ab Ende April / Anfang Mai in der Nähe von kleinen pflanzenreichen und stehenden Gewässern beobachten. Ihre Flugzeit endet im August.
Die Weibchen der Frühen Adonislibelle weisen eine andere Zeichnung des Hinterleibes auf. Hier beginnen die schwarzen Farbanteile schon beim ersten Segment. Die Aufnahme in der Mitte zeigt ein Jungtier. Die Augen sind noch milchig verschwommen. Der Legebohrer am Ende des Hinterleibs ist deutlich zu erkennen.
Unmittelbar nach erreichen der Geschlechtsreife steht bei der Frühen Adonislibelle die Arterhaltung an oberster Stelle. Partnersuche, Paarung und Eiablage erfolgen kurz darauf. Aus Sicherheitsgründen erfolgt die Eiablage oft in Gesellschaft, da Fressfeinde, wie zum Beispiel Frösche, so besser gesehen werden. Während die Weibchen halb ins Wasser abtauchen um ihre Eier zu legen, halten die Männchen hoch aufgerichtet nach allen Seiten Ausschau. Bei drohender Gefahr ziehen sie ihre Partnerin aus dem Wasser und fliegen mit ihr davon.
Paarungsrad der Frühen Adonislibelle. Unten: Eiablage mit den Männchen als Wachposten.
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Hier seht Ihr die Späte Adonislibelle, die auch Scharlachlibelle genannt wird. Sie ist die zweite der rot gefärbten Kleinlibellenarten Europas. Sie ist im Ganzen etwas zierlicher als die Frühe Adonislibelle. Die Späte Adonislibelle lebt an langsam fließenden und stehenden Gewässern mit guter Wasserqualität und ist ab Mitte Juni zu finden. Die beiden folgenden Bilder zeigen frisch geschlüpfte und unausgefärbte Exemplare der Art.
Bei diesen beiden Jungtieren hat der Ausfärbungsprozess schon begonnen. In Kürze erscheinen sie in einem leuchtend roten Leibchen. Trotz Ihrer auffälligen Färbung ist die Späte Adonislibelle, nicht zuletzt wegen ihrer Seltenheit, schwer zu finden.
Die Männchen sind von leuchtend roter Farbe. Der Thorax weist zudem noch goldfarbene Streifen auf. Im Gegensatz zur wesentlich größeren Frühen Adonislibelle sind auch ihre Beine rot gefärbt.
Die Weibchen zeigen vollkommen andere Farben als die Männchen und kommen in vier verschiedenen Farbvariationen vor, die jedoch von unterschiedlicher Häufigkeit sind. Wir zeigen hier die Nominalform der Art.
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Die Paarung dauert bei der Späten Adonislibelle recht lange. Insgesamt verbringt das Pärchen rund 40 Minuten im Paarungsrad. Ohne Störung wird etwa alle 10 Minuten der Standort gewechselt. Danach geht es in Tandemformation zur Eiablage, bei der das Weibchen nicht mit dem Hinterleib ins Wasser eintaucht, sondern selbige in die Vegetation auf der Oberfläche des Gewässers einsticht.
Dieser kleine Räuber mag noch so zerbrechlich wirken; er überwältigt Beute bis zum eigenen Gewicht mühelos im Flug.
Wir befinden die Späte Adonis- oder Scharlachlibelle als eine der Schönsten der Kleinlibellenarten. Deshalb hier noch ein paar Bilder dieses filigranen, 2,5 cm großen, sehr zerbrechlich wirkenden Fliegers. Die Art gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht, da ihr Lebensraum durch Grundwasserabsenkung und großflächige landwirtschaftliche Nutzung stark geschädigt wird.
Die Flugzeit der Art beginnt im Juni und endet Im August. Die Entwicklungszeit beträgt ein bis zwei Jahre.
Wenn die Temperaturen am frühen Morgen noch nicht ausreichen um richtig zu fliegen, wenn die Flügel noch voller Tau und steif von der Nacht sind, kann so mancher Startversuch im kalten Wasser enden. Da so etwas für die kleine Libelle im Normalfall den sicheren Tod bedeutet, nimmt sie gerne den rettenden Finger der Autorin als Erholungsplattform an.
Da dies, dank unserer Anwesenheit, noch einmal gut gegangen ist, begibt sich unser kleiner Freund auf Nahrungssuche. Wenig später, gestärkt, durch den Verzehr einer Fliege, zeigt sich die späte Adonis- oder Scharlachlibelle von ihrer lustigen und aktiven Seite.
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Eine der kleinsten Libellen unserer Heimat ist die Kleine Pechlibelle. Ihre Körperlänge beträgt gerade einmal 2,6 -3,1 Zentimeter. Sie bevorzugt vegetationsarme Gewässer wie Kiesgruben, Lehmtümpel oder einfache, mit Wasser gefüllte Fahrspuren. Da auch Ihre Lebensräume inwischen vom Menschen nachhaltig zerstört werden, indem zum Beispiel Kiesgruben mit Müll zugeschüttet werden, gilt diese Art in Deutschland als gefährdet, regional sogar vom Aussterben bedroht. Frisch geschlüpft erscheinen sie in einem leuchtenden Orange. Wenige Tage später sind sie ausgefärbt und in einem unscheinbaren olivgrünen Kleid schwer auszumachen. Die Flugzeit reicht vom Mai bis in den September hinein.
Die Kleine Pechlibelle gilt als eine Pionierart, die innerhalb kürzester Zeit an einem neu entstandenen Gewässer erscheinen kann. Wächst dieses nur innerhalb eines Sommers mit Gräsern oder Schilf zu, verschwindet sie genau so schnell, wie sie gekommen ist. Mittlerweile gehört die Kleine Pechlibelle zu des seltensten Kleinlibellen Deutschlands.
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Im Gegensatz zur Kleinen Pechlibelle tritt die recht anspruchslose Große Pechlibelle an fast allen Gewässertypen auf. Außnahmen bilden säuerliche Moore oder stark strömende Bäche. Sie ist mit der Hufeisen - Azurjungfer die hier zu Lande am Häufigsten vorkommende Schlanklibelle und etwa genau so groß. Die Flugzeit reicht von Mai bis September.
Beim Paarungsritual zeigen die Tiere gleiches Verhalten wie die meisten Schlanklibellen. Mit einer seltenen Ausnahme: Während bei den bisher gezeigten Arten die Eiablage gemeinsam erfolgt, legt das Weibchen der Großen Pechlibelle seine Eier ohne die bewachung des Männchen ab. Dazu nutzt es die Abendstunden, um möglichst sicher vor Feinden zu sein oder von anderen Männchen nicht belästigt zu werden. Aus diesem Grund kann die Eiablage nur sehr selten beobachtet werden.
Die Große Pechlibelle bietet in ihrer Entwicklung bis hin zum Erwachsenenstadium ein großes Farbenspektrum. Dieses reicht von rosa über orange-braun mit Grüntönen gemischt bis hin zum blau - schwarzen und damit ausgefärbtem Leib. Die einzelnen Varianten stellen wir mit den folgenden Aufnahmen vor.
Ein frisch geschlüpftes Weibchen der Großen Pechlibelle.
Ganz junge Männchen der Art zeigen sich für kurze Zeit in Pink - Blau... (Rechts unten eine Kopfstudie.)
...was wenige Tage später in ein blasses Lila wechselt und von einer Kombination aus orange-lila-grün übernommen wird.
Die Große Pechlibelle, in der Bildserie unten, ist im jugendlichen Stadium leicht mit der Kleinen Pechlibelle zu verwechseln. Unterscheidungsmerkmale sind die Körpergröße von wenigen Millimetern und - je nach Ausfärbung der Tiere - die Segmentzeichnung des Abdomens. Hier sind weibliche Jungtiere zu sehen. Zu erkennen ist dies an der deutlichen Orangefärbung des Brustabschnittes (Thorax) der Tiere. Diese Färbung hält auch hier nur wenige Tage an.
Zum Vergleich seht ihr hier eine Detailaufnahme einer fertig ausgefärbten Großen Pechlibelle. (Männchen)
Die Bilder unten zeigen das erwachsene Weibchen der Großen Pechlibelle.
Ein Paarungsrad der Großen Pechlibelle.
Dieses Weibchen der Großen Pechlibelle war auf eine gewisse Art und Weise sehr anhänglich. Es landete dauernd auf der Hand der Autorin. Wir fanden das ganz amüsant und ließen die Kamera arbeiten.
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Im direkten Vergleich:
Die Bilder oben zeigen zwei Kleinlibellenmännchen. Die Aufnahme links zeigt die Große Pechlibelle. Auf dem Foto rechts ist die Hufeisen-Azurjungfer zu sehen. Der langgeformte Hinterleib der Tiere ist unterschiedlich blau gefärbt. Diese Hinterleibszeichnung ist bei jeder Kleinlibellenart anders. Dies ist oft die einzige Möglichkeit, sie zu unterscheiden. Für einen einfachen Naturbeobachter ist das ein schwieriges Unterfangen.
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Kommen wir nun zu einer Besonderheit unter den Kleinlibellen. Auf den ersten Blick könnte man diese Libellenart für eine Azurjungfer halten. Doch wer genau hinschaut, erkennt, dass die Blaue Federlibelle anders aussieht, als ihre anderen blauen Verwandten. Die Augen stehen etwas weiter auseinander und sind weißblau gefärbt.
Die Beine sind hellblau mit schwarzen Streifen durchzogen. Sie weiten sich in der unteren Häfte ein wenig plattenförmig aus. Mit Dornen besetzt, die Fischgräten ähnlich sind, sehen sie aus wie eine Feder. Von den Federlibellen gibt es weltweit 190 verschiedene Arten. In Europa gibt es vier, in Mitteleuropa nur zwei Arten, in Deutschland nur diese eine. Sie leben an pflanzenreichen Teichen und Gräben. Die Libellen sind 3,5 cm lang, sehr schlank und weisen eine Flügelspannweite von ca. 5 Zentimetern auf. Diese besonderen Erkennungsmerkmale werden anhand der folgenden Nahaufnamen verdeutlicht.
Der Lebensraum der Blauen Federlibelle bilden stark bewachsene stehende und sehr langsam fließende Gewässer. Man findet sie an Wassergräben und in Flußtälern. Die Flugzeit der Art beginnt Mitte Mai und endet im Laufe des September.
Wie bei allen anderen Libellenarten, sehen auch bei der Blauen Federlibelle die Jungtiere den Erwachsenen nicht ähnlich. daher nachfolgend einige Aufnahmen sehr junger Tiere. Männchen links, Weibchen rechts.
Im Gegensatz hierzu nun Aufnahmen von erwachsenen Blauen Federlibellen.
Das Weibchen der blauen Federlibelle ist deutlich blasser als das Männchen. Auf dem Bild oben links erkennt man deutlich die beschriebenen, abgeflachten Beine, besonders an den Unterschenkeln.
Die folgenden Bilder zeigen ein Blaues Federlibellenpärchen bei der Bildung eines Paarungsrades.
Dieses Weibchen der Blauen Federlibelle suchte sich einen seltsamen Landeplatz aus.
Federlibellen sind bisweilen lustige kleine Kobolde und geduldige Motive für den Naturfotografen.
1967 soll im Elsass, nahe der deutschen Grenze eine zweite Art, die Weiße Federlibelle gesichtet worden sein. Dieser Fund konnte wissenschaftlich nicht aufrecht erhalten werden, da der Entdecker einem Bestimmungsfehler unterlag. Die weiße Federlibelle sieht dem noch nicht ausgefärbten Jungtier der Blauen Federlibelle zum verwechseln ähnlich. Die folgenden Aufnahmen zeigen solche Jungtiere. (rechts frisch geschlüpft) So müssen wir weiter auf das Auftauchen dieser mitteleuropäischen Art warten.
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