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Libellen

Eine kleine Einführung in die Welt dieser faszinierenden Großinsekten.


Libellen und deren Larven besitzen sechs Beine und zählen somit zur umfangreichsten Familie der Tierwelt, der Insekten.

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Eine frisch geschlüpfte Vierfleck - Libelle

Die ältesten Funde von libellenähnlichen Tieren stammen aus dem oberen Karbon und sind etwa 320 Millionen Jahre alt. Diese als Palaeodictyoptera bezeichneten Tiere hatten eine Flügelspannweite von bis zu 60 Zentimetern bei Stenodictya und fanden sich offensichtlich in bewaldeten Gebieten, da ihre Fossilien in der Steinkohle gefunden wurden. Sie gehörten allerdings noch nicht zu den Libellen, sondern stellen wahrscheinlich die Vorfahren aller Geflügelten Insekten dar. Anders als alle heutigen Insekten besaßen sie auch am ersten Brustsegment, dem Prothorax, flügelartige Fortsätze.



Aus dem oberen Karbon sind außerdem etwa 20 verschiedene „echte“ Libellenvorfahren bekannt. Diese Tiere werden als Protodonata oder auch Megasecoptora bezeichnet und umfassen als bekannteste Vertreter die Riesenlibellen Meganeura monyi mit bis zu 70 und Meganeuropsis permiana mit bis zu 72 Zentimetern Flügelspannweite.

In der Trias und der Kreide fand man Vertreter einer Gruppe, die man ursprünglich für die Vorfahren der Kleinlibellen hielt und als Protozygoptera bezeichnete, auf den Falklandinseln. Die aus der gleichen Zeit gefundenen Protanisoptera in Sibirien und Australien hielt man entsprechend für die Vorfahren der Großlibellen. Ebenfalls nicht in die heutigen Taxa einzuordnen sind die Archizygoptera und die Triadophlebiomorpha. Diese Tiere und auch die der folgenden Epochen erreichten nur noch Körpergrößen von sechs bis maximal 20 Zentimetern und entsprachen damit denen heutiger Arten. Diese Gruppen stellen wie die Protodonata jedoch noch keine Vertreter der heutigen Libellen dar.

Erste Vertreter der heute lebenden Libellentaxa traten erstmalig in der Kreide, eventuell auch bereits im Jura, auf. Die Veränderungen im Bau und wahrscheinlich auch in der Lebensweise der Libellen waren in den letzten 150 Millionen Jahren nur noch minimal.
Die größten Libellen der Jurazeit schwirrten vor etwa 150 Millionen Jahren in der Gegend von Solnhofen und Eichstätt durch die Lüfte. Diese Libellenart namens Aeschnogomphus intermedius erreichte eine Flügelspannweite von 21 Zentimetern und eine Körperlänge von 15 Zentimetern.*

Die Großlibellen kann man wohl als die schönsten und größten Insekten unserer heimischen Natur bezeichnen. Mit ihrer Farbenpracht und ihrer filigranen Struktur sind sie unumstritten die Könige unter den Insekten. Einige von ihnen tragen diesen Adelstitel zu Recht in ihrem Namen.

Aufbau der Libellen

Libellen zeichnen sich durch einen außergewöhnlichen Flugapparat aus. Ihre Fähigkeit, die beiden Flügelpaare auch unabhängig voneinander bewegen zu können, ermöglicht es ihnen, abrupte Richtungswechsel zu vollziehen, in der Luft stehen zu bleiben oder bei einigen Arten sogar rückwärts zu fliegen. Beim Flug werden Maximalgeschwindigkeiten von 50 - 60 km/h erreicht. Die Frequenz des Flügelschlages ist dabei mit etwa 30 Schlägen pro Sekunde relativ langsam.

In ihren Flugleistungen sind diese Tiere unübertroffen und können einige Superlative für sich verbuchen: So beschleunigt eine Großlibelle von 0 auf 50 km/h in etwa einer Sekunde und entwickelt dabei Querbeschleunigungskräfte von 30g (!) Zum Vergleich: Das hypermoderne Kampfflugzeug "Eurofighter" schafft gerade einmal 9g. Viel mehr vermag ein physisch gesunder Mensch auch nicht auszuhalten.

Libellen sind wahre Lastentiere. Ihr eigener Körper ist im "Leichtbauprinzip" konstruiert. Beim Beutefang treten oft Lasten auf, die das doppelte ihres Eigengewichtes betragen. Trotzdem wird die Beute manchmal während des Fluges verzehrt. Versuche an Universitäten ergaben, dass eine Libelle im direkten Vergleich dreimal soviel Last transportieren kann, wie das größte von Menschen geschaffene Luftfahrzeug, die Russische Transportmaschine Antonow "AN 225!"

Die großen Vorder- und Hinterflügel sind (vor allem bei den Kleinlibellen) annähernd gleich groß und weisen eine komplexe Flügeladerung auf.
Dieses Flügelgeäder kann bei den meisten Arten zu Bestimmungszwecken herangezogen werden.
Da ihnen das für die „Neuflügler“ typische Flügelgelenk fehlt, können die Großlibellen die Flügel nicht nach hinten über den Hinterleib legen.

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Anders als bei fast allen anderen Fluginsekten setzen bei den Libellen die Flugmuskeln direkt an den Flügeln an. Stabilisiert werden die Flügel durch eine Reihe von Längsadern, zwischen denen die Flugfläche nicht plan-, sondern zickzackförmig aufgespannt ist. In der Mitte eines jeden Flügels laufen diese Adern in einem Knotenpunkt (Nodus) zusammen. Diese Struktur ist nötig, damit der Flügel auch bei einer Längsbeanspruchung nicht abknicken können.
Am vorderen, oberen Bereich der Flügelspitze besitzen die meisten Arten ein vergrößertes und dunkel gefärbtes Flügelfeld, das als Flügelmal (Pterostigma) bezeichnet wird und das im Flug als „Trimmtank“ durch Hinein- und Herauspumpen von Hämolymphe (Blutflüssigkeit) benutzt werden kann.


Der Kopf der Libellen ist deutlich vom Brustabschnitt getrennt und dadurch extrem beweglich. Auffällig sind die großen Facettenaugen, die bei den Großlibellen aus bis zu 30.000 Einzelaugen bestehen können. Bei verschiedenen Nahaufnahmen erkennt man zwischen den Komplexaugen auf der Kopfoberseite außerdem drei kleine Punktaugen, die vermutlich als Gleichgewichtsorgan (Horizontdetektor), zur Kontrolle schneller Flugbewegungen und zur Lichtmessung dienen. Flugaufnahmen von Großlibellen, die eine Kurve beschreiben zeigen, dass der Kopf bei Schräglage des Körpers immer waagerecht steht. Mit diesem System verfügen sie wohl über den besten Sehsinn unter den Insekten.


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Die Fühler der Libellen sind borstenartig kurz gehalten und bestehen aus acht Gliedern. Eine Tastfunktion, wie bei anderen Insekten ist hier nicht möglich und auch nicht erforderlich. Ihre eigentliche Funktion dient vielmehr der Ermittlung der Fluggeschwindigkeit, die sie mit Hilfe von an ihnen befindlichen Sinneshaaren bestimmen. Sie sind gewissermaßen als eine Art Tachometer umfunktioniert worden.
Die Mundwerkzeuge, besonders die Unterkiefer, sind kräftig entwickelt und gezahnt. Vorne werden diese von der Oberlippe abgeschlossen.
Die Brust (Thorax) der Libellen ist wie bei allen Insekten dreiteilig aufgebaut. Die beiden hinteren Brustabschnitte sind sehr kräftig ausgebildet und schräg gegenüber dem ersten Segment ausgerichtet. Auf diese Weise wird ein nach vorn gerichteter „Fangkorb“ aus den Beinen der Libellen gebildet. Diese besitzen zum Teil kräftige Klauen und sind an den Unterschenkeln meist mit spitzen Dornen versehen, um die Beutetiere besser fangen beziehungsweise halten zu können.
Der langgestreckte, je nach Art keulig verdickte oder zylindrische Hinterleib besteht aus zehn Segmenten, die häutig miteinander verbunden sind. Durch seine Länge wirkt er beim Flug stabilisierend.
Die Beweglichkeit des Hinterleibes ist vor allem für die Paarung der Tiere notwendig. Die Männchen besitzen am Ende des Hinterleibs eine Greifzange aus umgebildeten Hinterleibsanhängen, die aus drei „Fingern“ besteht. Mit deren Hilfe halten sie das Weibchen bei der Paarung fest.


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Die Kleinlibellen weisen ein oberes und ein unteres Paar Hinterleibszangen auf.
Die Männchen besitzen an der Unterseite des 2. Hinterleibssegmentes einen Kopulationsapparat, die sogenannten sekundären Geschlechtsteile. Die Weibchen einen Eiablageapparat, je nach Art einen Legeborer oder eine Legeklappe.
Die inneren Organe (Nach einer Erklärung von Prof. Dr. Hansruedi Wildermuth)
Das Herz:
Ist ein langer Schlauch, der sich über dem Verdauungskanal vom Brustteil bis fast zum Hinterleibsende erstreckt.
Es ist vorn offen und hinten geschlossen.
An jedem Hinterleibssegment besitz es zwei Ansaugöffnungen mit Ventil.
Das Herz sorgt primär für den Transport der Hämolymphe mit den Nährstoffen, Abfallstoffen, Hormonen, Immunzellen etc.
Blutgefäße sind keine vorhanden.
Der Kreislauf ist “offen”.
Der Herzschlauch führt durch den Engpass zwischen Thorax und Abdomen, der an dieser Stelle stark eingeschnürt ist (Wespentaille). Libellen können zur Regulierung der Körpertemperatur (um Wärme zu sparen) den Herzschlauch zwischen Thorax und Abdomen so verschließen, dass über längere Zeit keine Hämolymphe durchfließt. Dadurch bleibt die Wärme im Thorax, wo sich auch die Flugmuskulatur befindet.
Er ist elastisch und im Ruhezustand stark zusammengezogen.


Die Herzmuskeln (Flügelmuskeln):
Um den Herzschlauch zu erweitern (und damit Hämolymphe anzusaugen), braucht es die Herzmuskeln. Sie sorgen für die Pumpbewegungen des Herzschlauches.
Sie beschränkt sich auf die Abdominalsegmenete 8 und 9 und setzt außen am Schlauch an
Der Herzschlauch erweitert sich bei der Muskelkontraktion und saugt Blut (Hämolymphe) durch die Öffnungen an. Erschlafft sie, zieht sich der elastische Schlauch zusammen und drückt das Blut zur einzigen Austrittsöffnung am Vorderende des Schlauchs.


Das Tracheensystem (Röhrchen):
Es übernimmt den Sauerstoff- und Kohlendioxidtransport.
Diese Röhrchen sind über Stigmen (verschließbare Körperöffnungen, pro Segment 1 Paar) mit der Außenwelt verbunden. Auch am Thorax hat es Stigmen. Diese sichern die Sauerstoffzufuhr.

Gut sichtbar sind auf folgendem Bild die Tracheen, die großen Haupttracheenstämme sowie die verästelten Seitentracheen (besonders schön erkennbar an der Basis des Hinterleibs).

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Weiterhin kann man ein Stück des Mitteldarms sehen.

Die Beinbewegungen werden primär von den Thorakalganglien (Nervenknoten im Brustteil) gesteuert. Dazu braucht es Nervenzentren (Ganglien) mit motorische Nerven, die (um es mit Ausdrücken der Wirbeltieranatomie zu sagen) zum somatischen (also nicht zum vegetativen) Nervensystem gehören. Ein Insekt kann sich selbst ohne Kopf noch eine Zeitlang bewegen, wobei allerdings nur Automatismen möglich sind; eine Feinsteuerung, wozu es auch das “Gehirn” und die Sinnesorgane am Kopf braucht, ist nicht mehr möglich. Solange die Nerven und Muskeln mit Sauerstoff versorgt werden, können diese Organe funktionieren.

Die Ganglien (Nervenknoten):
Die Beinbewegungen werden primär von den Thorakalganglien (Nervenknoten im Brustteil) gesteuert.
Dazu braucht es Nervenzentren (Ganglien) mit motorische Nerven, die (um es mit Ausdrücken der Wirbeltieranatomie zusagen) zum somatischen (also nicht zum vegetativen) Nervensystem gehören.
Ein Insekt kann sich selbst ohne Kopf noch eine Zeitlang bewegen, wobei allerdings nur Automatismen möglich sind; eine Feinsteuerung, wozu es auch das “Gehirn” und die Sinnesorgane am Kopf braucht, ist nicht mehr möglich. Solange die Nerven und Muskeln mit Sauerstoff versorgt werden, können diese Organe funktionieren.



Lebensräume (Habitate)

Libellen sind vor allem in der Nähe von Gewässern verschiedenster Art zu finden, da ihre Larven auf Wasser als Lebensraum angewiesen sind.

Bis zum Erreichen der Geschlechtsreife halten sich viele Libellenarten für einige Wochen abseits der Gewässer auf. Die Weibchen sind meist nicht am Gewässer zu finden. Sie führen, wenn überhaupt, ein sehr diskretes Leben in der Ufervegetation der Gewässer, da sie sonst sofort von einem Männchen zur Paarung ergriffen würden.


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Dieser klare Torfsee ist Lebensraum für Edellibellen, wie die Große Königslibelle, die Keilfleck - Mosaikjungfer und den Frühen Schilfjäger. Hier können auch viele Segellibellen wie der Große Blaupfeil und die Feuerlibelle vorkommen. Falkenlibellen, wie die Gemeine Smaragdlibelle und die Glänzende Smaragdlibelle finden hier ebenso ein Zu Hause wie zahlreiche Heide- und Kleinlibellen wie die Hufeisen - Azurjungfer, die Gemeine Becherjungfer, die Fledermaus - Azurjungfer und die Frühe Adonislibelle.

Einige Libellenarten sind auch nicht selten in Stadtrandgebieten, reichlich bepflanzten Wohnsiedlungen und an Gartenteichen anzutreffen. Nur einige wenige Libellen sind ausgesprochene Fließgewässerarten. Vor allem in den schnell fließenden Oberläufen und im Quellbereich von Bächen und Flüssen findet man entsprechend nur gut angepasste Tiere.
In diesen Gebieten leben vor allem die Quelljungfern der Gattung Cordulegaster, deren Larven auf das sauerstoffreiche Wasser dieser Gewässer angewiesen sind. Diese findet man allerdings nur in den strömungsarmen Bereichen hinter Steinen oder in abgelagerten Sedimenten. Die Zweigestreifte Quelljungfer kann allerdings auch an langsam fließenden Gewässern gefunden werden.

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Schmale und dichtbewachsene, Beziehungsweise verkrautete Bachläufe mit hoher Wasserqualität sind bevorzugte Habitate für Fließgewässerspezialisten. An solchen Gewässern kommen beide Arten von Prachtlibellen, die Gebänderte und die Blauflügel - Prachtlibelle vor. Weiterhin bilden solche Gewässer den Lebensraum vieler Flussjungfern. Hier findet man die Gemeine Keiljungfer, die westliche Keiljungfer und mit etwas Glück auch die Grüne Flussjungfer oder die Kleine Zangenlibelle. An kleineren Bachläufen mit sauerstoffreichem Wasser kann der aufmerksame Beobachter auch auf die Zweigestreifte Quelljungfer stoßen.


Typische Bewohner der Flüsse und langsamen Bäche sind die Prachtlibellen (Gattung Calopteryx) sowie die Flussjungfern (Gomphidae). An schmalen Gräben und Wiesenbächen finden sich beispielsweise die Helm-Azurjungfer sowie die Vogel-Azurjungfer.

Weit mehr Arten bevorzugen stehende Gewässer als Lebensraum.
Sie finden sich an Tümpeln, Seen, Weihern und Fischteichen, wo ihre Larven vor allem in den flacheren Uferzonen und zwischen Wasserpflanzen leben.
Dabei sind einige Arten wie etwa die Große Pechlibelle, die Hufeisen-Azurjungfer oder die Blaugrüne Mosaikjungfer als sogenannte „Allerweltslibellen“ kaum an besondere Lebensräume angepasst. Ihre Libellenlarven vertragen relativ hohe Verschmutzungsgrade der Gewässer. Sie kommen mit ziemlich allen äußeren Umständen klar.
Empfindlichere Arten wie etwa einige Heidelibellen (Gattung Sympetrum) brauchen bestimmte Typen von Kleingewässern, die mehr oder weniger regelmäßig trocken fallen. Hier dienen auch Fischteiche als Lebensraum, die zum Winterhin abgelassen werden. Sümpfe, deren Wasserspiegel stark schwankend ist werden ebenfalls besiedelt.

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Solche Gewässer mit großen verlandeten Uferregionen und Mooranteilen sind ideale Lebensräume für viele Arten von Heidelibellen. Da diese Verlandungszonen regelmäßig austrocknen, sind sie für einige Libellenarten geradezu überlebenswichtig. Die hoch sensibelen Arten, wie die Gefleckte Heidelibelle und die Schwarze Heidelibelle, reagieren sofort auf geringste Veränderungen im Ökosystem. Ist nur einer der vielen Parameter nicht mehr vorhanden, verschwinden diese Arten augenblicklich.

Ein besonders gefährdeter Lebensraum sind die noch wenig existierenden Moore, die vielen Arten von Libellen als Habitat dienen. Die Spezialisten unter den Libellenarten sind an die hier existierenden Bedingungen wie dem sauren Wasser und die teilweise sehr geringen Sauerstoffanteile angepasst und können in anderen Lebensräumen nur schwer überleben.

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Die Habitate auf den Bildern oben zeigen ein mit Torfmoosen befülltes Moor sowie ein sehr versteckt liegender Torfweiher, mit reichlich Wasservegetation in Form von Teichrosen. Solche, zum Teil extrem schwer zugängliche Feuchtgebiete sind der optimale Lebensraum unserer seltensten Libellenarten, der Moosjungfern. Da solche "vorbildlichen" Gewässer in unserem Lande kaum noch zu finden sind, geht die Population der Moosjungfern auch bedrohlich zurück. Die Östliche Moosjungfer gehört mittlerweile zu den seltensten Libellen der Welt.

Hier leben auch verschiedene Azurjungfern wie etwa die Speer-Azurjungfer, Falkenlibellen wie die Arktische Smaragdlibelle und Edellibellen wie die Torf-Mosaikjungfer.

Besonders typische Moorarten sind die meisten Moosjungfern (Gattung Leucorrhinia).

Lebensweise

Libellen sind Räuber, und fangen ihre Beutetiere im Flug. Sie nutzen dafür ihre zu einem Fangapparat umgestalteten Beine, mit denen sie ihre Opfer ergreifen. Die Beute der Libellen besteht hauptsächlich aus anderen Insekten, wobei das Spektrum sehr groß ist.

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Ein Großer Blaupfeil hat ein Pärchen von Weidenjungfern in Tandemformation erbeutet. Das Männchen ist verloren, da die Großlibelle schon den Kopf zerbeißt. Kann das Weibchen sich nicht aus der Umklammerung des Männchens lösen, droht ihm das gleiche Schicksal.



Libellen attackieren beinahe wahllos alle Tiere, die sie überwältigen können. Besonders die Männchen attackieren dabei zur Paarungszeit auch andere Libellen, hier und da sogar Angehörige der eigenen Art, sodass es zu Kannibalismus kommt.

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Kannibalismus bei Libellen: Ein Männchen der Großen Pechlibelle hat ein Jungtier der Gemeinen Becherjungfer überwältigt und frisst dieses innerhalb von einer knappen halben Stunde bis auf die Flügel vollständig auf. Wo die Tiere das hinstecken, weiss keiner so wirklich.

Dies ist im Besonderen nach einer Schlechtwetterperiode, in der die Tiere nicht fliegen und jagen konnten, zu beobachten. Jene, die während dieser Zeit nicht verhungert sind, fallen über alles her, was ihnen vor die Fänge kommt.

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Dieser Fall von Kannibalismus ist noch krasser: Ein Männchen der Gemeinen Becherjungfer frisst ein Weibchen der gleichen Art. Bis auf ein kleines Stück des Abdomens ist von der Kleinlibelle nichts mehr übrig.

Normale Jagdflüge sind nicht auf die Gewässer beschränkt. Sie finden auch auf Wiesen, Waldlichtungen oder anderen freien Flächen statt. Einige Arten sind ausgesprochene Dämmerungsjäger und beginnen am späten Nachmittag mit der Nahrungssuche. Dabei jagen sie vollständig auf Sicht und sind auf die Augen zur Auffindung der Beute angewiesen.

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Dämmerungsjäger: Ein Männchen der Blaugrünen Mosaikjungfer auf Jagdflug. Diese Aufnahme entstand an einem Abend im Juli 2009.


Wie viele andere Insekten nutzen auch die Libellen die Sonnenwärme zur Aufheizung ihres Körpers, besonders der Muskulatur. Zu diesem Zweck ruhen einige Arten an sonnenexponierte Stellen und spreizen ihre Flügel, um unter den Flügeln die Wärme zu speichern, die vom aufgeheizten Boden abstrahlt.

Trotz ihrer Schnelligkeit und Wendigkeit haben Libellen eine große Anzahl von Fressfeinden.

Besonders angreifbar sind sie dann, wenn sie sich beim Schlüpfen aus der Larvenhaut (Exuvie) befreien. Vor allem Frösche und Vögel fressen Libellen, aber auch Hornissen, Webspinnen, deren Netze meist unmittelbar am Schlupfort gesponnen sind, und Ameisen können frisch geschlüpfte Libellen attackieren und verzehren.

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In der Bildreihe oben sind zwei der zahlreichen Fressfeinde der Libellen am Werk. Links versuchte eine Falkenlibelle, die Gemeine Smaragdlibelle, zu schlüpfen. Auf diesen Moment hatte die Wolfsspinne nur gewartet. Etwa 30 Sekunden nachdem die Larvenhaut aufplatzte, setzte sie ihren tödlichen Biß an.
Auf dem Foto rechts sehen wir eine Vierfleck - Libelle oder besser, Dass was noch von ihr übrig ist. Der Vierfleck hatte seinen Schlupfort zu nahe an einem Ameisennest gewählt. Er hatte von vorne herein nicht die geringste Chance.


Ebenso können fleischfressende Pflanzen, wie der Sonnentau, für Libellen zur Gefahr werden. Zu den Parasiten der Libellen gehören vor allem Milben, die sich an den Körpern der Tiere festsetzen.
 
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Dem Sonnentau fallen viele Kleinlebewesen zum Opfer. Die feinen Leimperlen am Stengel und am Ende der Blätter der Pflanze halten die "Beute" fest. Aus diesen Tentakeln gibt es kein Entkommen.

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Die Aufnahme oben zeigt ein Männchen des Großen Granatauges mit starkem parasitären Milbenbefall.

Die Larven der Libellen fallen vor allem anderen Libellenlarven, aber auch anderen Räubern im Wasser wie Fischen und großen Gelbrandkäfern anheim.

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Hier wurde ein Pärchen der Gemeinen Becherjungfer Opfer seines Paarungsstresses. Als man gemeinsam zur Eiablage übergehen wollte, schlug der Teichfrosch unbarmherzig zu. Aus seinem Maul schaut das Hinterteil des Weibchen und die vordere Hälfte des Männchens noch heraus.


Die Lebensdauer der adulten Tiere beträgt bei den meisten Arten durchschnittlich etwa sechs bis acht Wochen. Manche Arten leben auch nur etwa zwei Wochen.
Die längste Lebensdauer als ausgewachsene Libelle haben in Mitteleuropa die Winterlibellen (Gattung Sympecma), welche als erwachsenes Tier überwintern und dadurch zehn bis elf Monate leben. Das aktive Leben beträgt bei ihnen allerdings nur etwa vier bis sechs Monate, da sie den Winter weitestgehend in Kältestarre überdauern.

Paarungsverhalten und Entwicklung

Bevor sich das Männchen auf die Suche nach einer paarungswilligen Partnerin begibt, füllt es sein sekundäres Geschlechtsteil unter dem 2. Hinterleibssegment mit  seinen Spermien, indem es sein Hinterleibsende extrem nach vorne biegt. Dieses sekundäre Geschlechtsteil ist die Stelle, an der das Weibchen mit seinem Hinterleibsende später andockt. Dieser Vorgang kann sich durchaus wiederholen, selbst wenn schon ein Weibchen gefunden wurde. Die folgende Aufnahme zeigt eine solche Situation am Beispiel der Weidenjungfer.

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Männchen und Weibchen finden sich in der Regel im Flug, wobei das Männchen das Weibchen mit der Zange aus den beiden Hinterleibsanhängen hinter dem Kopf ergreift. Danach biegt sich das Weibchen im Flug nach vorn und berührt mit ihrer Geschlechtsöffnung am achten oder neunten Hinterleibssegment den Samenbehälter des Männchens am zweiten oder dritten Hinterleibssegment. Dabei entsteht das für Libellen typische Paarungsrad.


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 Paarungsrad der Großen Königslibelle.

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Oft versuchen konkurrierende Männchen bereits bestehende Paarungsräder zu trennen.  Dies ist dann zu beobachten, wenn ein Überschuss an männlichen Tieren gegeben ist. Dann entsteht ein gewisser Paarungsstress, der mitunter fatale Folgen haben kann.


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Paarungsstress: Aufgrund ihres hervorragenden Sehvermögens sind Libellen in der Lage, Spinnennetzen im Flug auszuweichen. Im Paarungsstress wird jedoch hier und da eine dieser tödlichen Seidenfallen übersehen. So passierte es auch diesem Pärchen des Großen Granatauges, dessen Hochzeitsflug jäh im Netz einer Schilfradspinne endete.

Das Weibchen legt nach der Begattung die Eier meist in ein Gewässer ab. Dabei gibt es Arten, welche die Eier in Wasserpflanzen einstechen und solche, die die Eier im Flug ins Wasser abwerfen oder unter Wasser am Substrat abstreifen.


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Ein Weibchen der Blutroten Heidelibelle wirft seine Eier im Uferbereich eines stehenden Gewässers ab. Dies geschieht meist unter stark wippenden Bewegungen. Der Flug der Tiere wirkt in diesen Momenten sehr nervös. Die Eier, die aus der Legeklappe des Tieres austreten haben einen Durchmesser von etwa 0.3 Millimetern.

Andere Arten stechen die Eier in die Rinde von Bäumen am Ufer wie zum Beispiel Weidenjungfer. Manche Heidelibellen werfen ihre Eier über trockenen, möglicherweise später einmal überfluteten Grasflächen ab.

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Eine Weidenjungfer bei der Eiablage. Diese Art ist die einzige, die ihre Eier in die Rinde von Weiden einsticht. (Daher auch der Name.) Die aus den Eiern schlüpfenden Larven lassen sich einfach ins Wasser fallen.

Die Eiablage kann dabei in der Tandemformation erfolgen als auch allein durch das Weibchen.
Erstaunlich ist die Fähigkeit der Weibchen einiger Arten (zum Beispiel Prachtlibellen oder die Gemeine Becherjungfer), zur Eiablage bis zu 90 Minuten lang vollständig unter Wasser zu tauchen.

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Kleinlibellen, insbesondere die Schlanklibellenarten wie die Azurjungfern und die Adonislibellen, legen ihre Eier gerne in Gemeinschaft ab. Dies verleiht eine zusätzliche Sicherung vor Fressfeinden, da die Männchen, steil aufgerichtet auf ihren Weibchen, nach allen Seiten Ausschau halten. 


Viele Arten benötigen ganz spezielle Ablagesubstrate oder Ablagepflanzen: Das Weibchen der Grünen Mosaikjungfer sticht die Eier beispielsweise nur in die Blätter der Krebsschere ein, und viele Moorlibellen sind an das Vorkommen von Torfmoosen angewiesen.

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 Große Königslibelle bei der Eiablage.

Das Leben im Wasser

Aus den Eiern schlüpfen je nach Art nach Wochen oder nach einer Überwinterung die Larven. Diese durchlaufen mehrere Entwicklungsstufen, je nach Art bis zu 12 Stadien, die jeweils durch eine Häutung abgeschlossen werden.

Die teilweise im Wasser oder Schlamm lebenden Larven sind gut angepasste Räuber und besitzen als wirksame Waffe für diese Lebensweise eine typische Fangmaske, die im Ruhezustand unter dem Kopf zusammengefaltet ruht. Ist ein potentielles Opfer in Schlagdistanz, schnellt dieses klauenbewehrte Instrument wie eine Pistolenkugel blitzschnell nach vorne um die Beute zu fangen.



Im Bild oben ist die Larve einer Blaugrünen Mosaikjungfer zu sehen. Werner Heydrich, ein guter Kollege und Paläonthologe, der schon zahllose Exkursionen mit uns durchführte, fand diesen Räuber in seinem Gartenteich.

Kleinlibellen bevorzugen als Beute vor allem Mückenlarven und Kleine Krebse wie zum Beispiel  Bachflohkrebse.

Larven der Großlibellen jagen entsprechend größere Beutetiere wie Kaulquappen, andere Insektenlarven oder gar kleine Fische.

Zur Atmung unter Wasser besitzen Libellenlarven verschiedene Techniken. Die Kleinlibellen verfügen hierzu an ihrem hinteren Ende drei blattförmige Tracheenkiemen, mit denen sie Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen können.

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Die Larve einer Kleinlibelle verlässt das Wasser zur ihrer letzten Häutung zum Fluginsekt. Im Wasser konnte sie sich, auf der Jagd nach Beute pfeilschnell fortbewegen. An Land erscheint sie träge und unbeholfen. Doch der Schein trügt. Scheinbar mühelos überwindet sie Hindernisse von Stock und Stein um sich einen Platz zur Metamorphose zu suchen. Dabei kann sie binnen weniger Minuten mehrere Meter Wegstrecke zurücklegen.

Großlibellen hingegen besitzen keine äußerlich sichtbaren Atmungsorgane. Diese sind in den großen Larven in den Enddarm verlagert. Die Aufnahme des Sauerstoffs erfolgt hier durch ein spezielles Gewebe im Enddarm.

Die Dauer des larvalen Stadiums einer Libelle übertrifft jenes des daraus hervorgehenden Fluginsektes in der Regel um ein Vielfaches: Der Zeitraum, die einzelne Arten als Larve im Wasser verbringen, reicht in Mitteleuropa von etwa drei Monaten (zum Beispiel Frühe Heidelibelle) bis immerhin zu fünf bis sieben Jahren (zum Beispiel Quelljungfern).
Eine ein- oder zweijährige Larvalentwicklung ist die Norm.

Gegen Ende des letzten Larvenstadiums verlässt das Tier das Wasser, um sich meist vertikal an der nahen Ufervegetation zum Schlupf (Emergenz) fest zu verankern. Eine Ausnahme bilden die Flussjungfern. Diese Arten schlüpfen häufig in waagerechter Position auf Steinen, Wurzeln oder blankem Boden in unmittelbarer Nähe des Ufers.

Nicht selten werden auch vom Menschen geschaffene Schlupforte gewählt. So schlüpft die Gebänderte Prachtlibelle gerne unter Brücken und andere Arten an ins Wasser reichende Stegen oder Bootshäusern.

Am häufigsten wählen die Larven allerdings die natürlichen Stängel oder Blätter von Ufer- oder Wasserpflanzen beziehungsweise Binsen und Schilfhalme zum Schlüpfen aus.
Anhand der Exuvie kann bei den meisten Libellen die dazugehörige Art in fast allen Fällen von fortgeschrittenen Libellenkennern recht sicher bestimmt werden.


Gefährdung und Schutzmaßnahmen

Im Jahr 2001 wurde die Plattbauchlibelle zum Insekt des Jahres gewählt. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass die auffällige und weit verbreitete Art stellvertretend für alle Libellen stehen und auf deren Gefährdung in Deutschland aufmerksam machen soll.

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Die Gefahr geht vor allem von einer ständig voranschreitenden Verunreinigung und Trockenlegung vieler Gewässerabschnitte aus, die von den Libellenlarven als Habitat unerlässlich gebraucht werden. Die Folge: zwei Drittel der 81 heimischen Arten sind gefährdet, ein Viertel von diesen ist sogar vom Aussterben bedroht.

Da den meisten Laien die Artunterscheidung nicht möglich ist, stehen alle Libellenarten in Deutschland und den meisten Nachbarländern unter Artenschutz. Libellen dürfen weder gefangen, noch zu irgendwelchen Zwecken getötet werden. Für einige Arten sind per Gesetz FFH – Richtlinien (FFH = Fauna – Flora – Habitat) erlassen worden. Die Lebensräume dieser Arten sind demnach als Naturschutzgebiete auszuweisen, deren Betreten in der Regel von behördlicher Seite verboten wird. Lediglich die die leeren Larvenhäute (Exuvien) dürfen eingesammelt werden.

Entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben sind Libellen ungiftig und können auch nicht stechen, sie sind also für den Menschen völlig harmlos.
Geläufige Namen wie etwa „Teufelsnadel“, "Augenbohrer" „Siebenstecher“ oder "Pferdetod" machten unter der ahnungslosen Bevölkerung die Runde und brachten den Libellen einen denkbar schlechten Ruf ein.

Wenn eine zu Studienzwecken gefangene und kurz festgehaltene Libelle einem Menschen in den Finger beißt, ist das zwar spürbar, aber nicht schmerzhaft. Von sich aus greifen Libellen Menschen niemals an, sondern sind scheu und flüchten. Diese Eigenschaft macht die Beobachtung und das Fotografieren mit Makro – Technik zu einem schwierigen Unterfangen.

Einige große Arten wie die Blaugrüne Mosaikjungfer nähern sich allerdings manchmal sehr neugierig, um den „Revier-Eindringling“ Mensch zu betrachten. Dabei kommen sie oft bis auf wenige Zentimeter an diesen heran. Viele Menschen sehen dies als ein Angriffsverhalten an. Ihr, liebe Natur- und Libellenfreunde, wisst es nun besser.

In Deutschland bekannte Schutzorganisationen sind zum Beispiel der Arbeitskreis Libellen in NRW, sowie die Gesellschaft Deutschsprachiger Odonatologen, GDO.

*Quelle: Wikipedia Foundation.



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