Späte Adonislibelle

Ceriagrion tenellum

DE VILLERS, 1789

 

Hinweise zur wissenschaftlichen Nomenklatur: „Ceriagrion“ kommt von „cerinus“ (lat.) = wächsern und „agrios“ (gr.) = Wachsagrion. Vermutlich wegen des wachszarten Körpers. „tenellum“ = Diminutiv von „tener“ (lat.) = sehr zart. Der deutsche Gattungsname bezieht sich auf die Körperfarbe und der deutsche Artname auf ihre zarte Gestalt.

 

Ein Männchen "versteckt" sich hinter einem Binsenhalm.
Ein Männchen "versteckt" sich hinter einem Binsenhalm.

Hier ist die Späte Adonislibelle, die auch Scharlachlibelle oder Zarte Rubinjungfer genannt wird, zu sehen. Sie ist neben der Frühen Adonislibelle, Pyrrhosoma nymphula,  die Zweite der rot gefärbten Kleinlibellenarten Europas. Sie ist im Ganzen etwas zierlicher als die Frühe Adonislibelle. Die Späte Adonislibelle lebt an langsam fließenden und stehenden Gewässern mit guter Wasserqualität und ist ab Mitte Juni zu finden. 

 

Ein direkter Vergleich zwischen den Männchen der Späten Adonislibelle, Ceriagrion tenellum, oben und der Frühen Adonislibelle, Pyrrhosoma nymphula, unten im Bild.
Ein direkter Vergleich zwischen den Männchen der Späten Adonislibelle, Ceriagrion tenellum, oben und der Frühen Adonislibelle, Pyrrhosoma nymphula, unten im Bild.

Die Männchen sind von leuchtend roter Farbe. Der Thorax weist zudem noch goldfarbene Streifen auf. Im Gegensatz zur etwas größeren Frühen Adonislibelle sind auch ihre Beine rot gefärbt.

 

Detailaufnahme eines erwachsenen Männchens.
Detailaufnahme eines erwachsenen Männchens.
Ein Weibchen der "forma melanogastrum".
Ein Weibchen der "forma melanogastrum".

 

Die Weibchen zeigen vollkommen andere Farben als die Männchen und kommen in vier verschiedenen Farbvariationen vor, die jedoch von unterschiedlicher Häufigkeit sind. Wir zeigen hier nun zunächst die Nominalform der Art, eine heterochrome Färbungsvariante. Ihr wissenschaftlicher Name lautet "forma melanogastrum" Eine deutsche Bezeichnung gibt es hierfür nicht. Der Hinterleib des Weibchens ist komplett schwarz gefärbt.

 

Ein Weibchen der "forma typica".
Ein Weibchen der "forma typica".

 

Bei einer anderen heterochromen Färbung sind die ersten beiden Hinterleibssegmente des Weibchens rot, die Segmente 3 bis 7 sind schwarz gefärbt und die letzten Segmente erscheinen wieder rot. Diese Form trägt die wissenschaftliche Bezeichnung "forma typica".

 

Ein Weibchen der "forma erythrogastrum".
Ein Weibchen der "forma erythrogastrum".

Die den Männchen ähnlich gefärbte Art hat einen ganz roten Hinterleib. Sie ist sehr selten und wird unter der Bezeichnung

"forma erythrogastrum" geführt. Man kann diese Weibchen auf den ersten Blick nur anhand ihrer Hinterleibsanhänge erkennen.

Ein Weibchen der "forma intermedium". (Extrem selten!)
Ein Weibchen der "forma intermedium". (Extrem selten!)

Die vierte Farbvariante, genannt „forma intermedium“, kommt äußerst selten vor. Bei ihr ist der Hinterleib rot gefärbt und auf den Segmenten 5 bis 7 befinden sich schwarze Flecken.

Detailaufnahme eines Weibchens mit einer Zickade als Beute.
Detailaufnahme eines Weibchens mit einer Zickade als Beute.

 

Die Paarung der Späten Adonislibelle dauert recht lange. Insgesamt verbringt das Pärchen rund 40 Minuten im Paarungsrad. Ohne Störung wird etwa alle 10 Minuten der Standort gewechselt. Danach geht es in Tandemformation zur Eiablage, bei der das Weibchen nicht mit dem Hinterleib ins Wasser eintaucht, sondern selbiges in die Vegetation auf der Oberfläche des Gewässers einsticht. Das Männchen bewacht das Weibchen bei der Eiablage auf die gleiche Weise wie  die Azurjungfernarten, indem es sich aufrecht auf die Vorderbrust seiner Partnerin stellt.

 

Die Späte Adonis- oder Scharlachlibelle gilt als eine der Schönsten aller Kleinlibellenarten.  Die Art gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht, da ihr Lebensraum durch Grundwasserabsenkung und großflächige landwirtschaftliche Nutzung stark geschädigt wird. Die Flugzeit der Art beginnt im Juni und endet Im August. Die Entwicklungszeit beträgt ein bis zwei Jahre. 

 

Ceriagrion tenellum ist in Deutschland nur noch an wenigen Orten zu finden. Als FFH-Art  (Fauna-Flora-Habitat) genießt sie mit dem Anhang IV des Artenschutzgesetzes den höchsten Schutzstatus. Die Art gilt gemäß der Roten Liste für bedrohte Tierarten als "Vom Aussterben bedroht" und wird daher in der höchsten Stufe "1" geführt.

Aktuelle Updates:

30. August

2016

Unsere Bestimmungs-CD ist sowohl hier als auch bei  Amazon erhältlich.

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03. September

2016

 

In Zusammenarbeit mit 

dem Westdeutschen Rundfunk entstand ein sehenswerter Beitrag 

über Libellen, der hier ab sofort abgerufen werden kann. 

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19. Juni

2017

 

Mit dem WDR auf Libellenexkursion: Ein Link zu einer spannenden Fotoreportage ist ab sofort im Blog dieser Homepage zu finden!.

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10. Juli

2017

 

Im Blog unserer Homepage

 

steht ab sofort ein

 

PDF-Bericht unserer

 

diesjährigen Nachtexkursion

 

als Download zur Verfügung!

 

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